DER UNTERSCHIED ZWISCHEN KALIBRIERUNG UND JUSTIERUNG
Unterschiedliche Tätigkeiten, die dennoch oft als Synonyme verwendet werdenIm Alltagssprachgebrauch werden Begriffe wie Kalibrierung und Justierung oft als Synonyme verwendet.
Tatsächlich bezeichnen sie in der Metrologie zwei unterschiedliche Konzepte – wer sie verwechselt, riskiert Fehlinterpretationen bei der Beurteilung der Messqualität.
Den Unterschied zu verstehen ist keine akademische Frage, sondern von grundlegender Bedeutung, um die Qualität des Messgeräts und damit die Genauigkeit der Messung selbst richtig einschätzen zu können.
Was ist die Kalibrierung eines Messgeräts?
Die Kalibrierung ist ein metrologischer Vorgang, dessen Ziel es ist, die Beziehung zwischen den von einem Messgerät angezeigten Werten und den Werten einer Referenznormale festzustellen.
Die Kalibrierung korrigiert das Messgerät nicht, sondern vergleicht es mit einer bekannten, rückführbaren Referenz (Primärnormal), um die Abweichung vom tatsächlichen Wert zu ermitteln.
Das Ergebnis einer Kalibrierung ist ein Kalibrierschein, der Folgendes ausweist:
- die festgestellten Fehler (Abweichung vom Primärnormal)
- die Messbedingungen
- die zugehörige Messunsicherheit
- die Rückführbarkeit auf nationale oder internationale Normale
Was ist die Justierung eines Messgeräts?
Die Justierung passt, im technischen und industriellen Kontext, ein Messgerät so an, dass die Anzeigewerte so weit wie möglich mit dem Referenzwert übereinstimmen.
Es handelt sich also um einen aktiven Eingriff, der Folgendes umfassen kann:
- mechanische oder elektronische Einstellungen
- Nullpunktabgleiche
- softwareseitige Korrekturen
- interne Abgleiche
Ein einfaches Beispiel
Ein Mikrometer ist ein Messgerät zur Erfassung linearer Abmessungen mit hoher Genauigkeit, die über der eines Messschiebers liegt.
- Die Kalibrierung stellt fest, dass das Gerät bei 10,000 mm (Referenzwert des bekannten Normals) 10,012 mm anzeigt. Es wird also ein Fehler von +12 µm festgestellt.
- Die Justierung greift (sofern möglich) am Gerät ein, um die Anzeige so nah wie möglich an 10,000 mm zu bringen.
Warum ist die Verwechslung so verbreitet?
Die Überschneidung der beiden Begriffe entsteht durch einen in der industriellen und kommerziellen Praxis nicht immer präzisen Sprachgebrauch.
In vielen Fällen spricht man von „Kalibrieren", meint aber eigentlich „Justieren" – also einen Eingriff zur Einstellung des Geräts. Die Verwechslung wird zusätzlich durch die englische Terminologie begünstigt: Der italienische Begriff taratura wird üblicherweise mit calibration übersetzt, während calibrazione im Sinne eines Eingriffs am Gerät eher dem englischen Begriff adjustment entspricht. Im Deutschen gilt dasselbe Prinzip: Kalibrierung entspricht calibration, Justierung entspricht adjustment.
Die Kenntnis dieser Unterscheidung ist vor allem in Qualitätsmanagementsystemen (ISO 9001, ISO/IEC 17025) von zentraler Bedeutung, da es dort darauf ankommt, die Rückführbarkeit und den tatsächlichen Zustand des Messgeräts nachweisen zu können – nicht nur seine korrekte Funktion.
Kalibrierung ohne Justierung (und umgekehrt)
Nicht jedes Messgerät kann justiert werden.
Ein Parallelendmaß beispielsweise lässt sich nicht „einstellen": Es kann nur kalibriert, also hinsichtlich seiner Abmessungen mit einem Normal verglichen werden. Fällt die Abweichung im Laufe der Zeit zu groß aus, bleibt als einzige Lösung der Austausch.
Elektronische Geräte wie digitale Messuhren, Messsysteme oder Sensoren hingegen können häufig justiert werden, um den Fehler zu reduzieren.
Die Rolle der industriellen Metrologie
Im Laboralltag und in der Qualitätssicherung bestehen Kalibrierung und Justierung nebeneinander.
Die Kalibrierung gewährleistet die Rückführbarkeit und die Kenntnis des Fehlers. Die Justierung ermöglicht es, das Messsystem im Einklang mit den Anforderungen des Fertigungsprozesses und der Normung zu halten.
Den Unterschied zwischen Kalibrierung und Justierung zu kennen, ist für jedes Unternehmen der Ausgangspunkt, um zuverlässige Messungen, kontrollierte Prozesse und auf gesicherten Daten basierende Entscheidungen zu gewährleisten.